3.110,82 t
CO2 Einsparung des
Torque Marine Systems

gegenüber herkömmlichen Systemen

Torque Marine IPS Innovative Propulsion Systeme GmbH & Co. KG

Torque Marine: Start-up-Unternehmen mit neuem Schiffsantrieb auf Kurs

PRESSEMITTEILUNG | 26. Juli 2010

Torque Marine: Start-up-Unternehmen mit neuem Schiffsantrieb auf Kurs

Weniger Treibstoff, mehr Sicherheit – Dieselelektrischer Prototyp auf Binnenschiff „Enok“ getestet

Die Torque Marine IPS GmbH & Co. KG geht mit einer neuen Antriebstechnik für Schiffe auf den Markt. Die Testfahrten mit der umgebauten „Enok“ auf der Elbe vor Glückstadt sind beendet. Am 18. August stellen die Gesellschafter Claus-D. Christophel (Hamburg) und Hans Helmut Schramm (Brunsbüttel) den Prototypen ihres dieselelektrischen Torque-Antriebs in Hamburg vor.

Glückstadt/Brunsbüttel/Hamburg – Die Idee, einen dieselelektrischen Schiffsantrieb zu entwickeln, ist nicht neu. Um den Treibstoffeinsatz und damit auch die Emissionswerte zu reduzieren, hat sich die Schiffsbauversuchsanstalt in Duisburg schon vor Jahren im Auftrag des Bundesumweltministeriums mit dem Thema beschäftigt. Da der konventionelle dieselelektrische Antrieb in der Praxis aber Vorgaben wie Gewicht und Volumenreduzierung nicht erfüllen konnte, mussten neue Möglichkeiten erschlossen werden. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt Claus-D. Christophel. Die Lösung ist ein komplett neues Antriebskonzept, das als System auf dem Prüfstand in allen Funktionen erprobt, zertifiziert und von der Klassifikation vor dem Einbau an Bord abgenommen werden kann. Das Torque-Antriebssystem besteht aus Motor, Generatoren-Set, Schaltanlage mit Umrichter, Brückenantriebssteuerung und optional einem Zero Emission System (ZES).

Ein Partner für die Umsetzung der revolutionären Antriebstechnik war schnell gefunden. Mit Hans Helmut Schramm aus Brunsbüttel gründete Claus-D. Christophel die Torque Marine IPS Innovative Propulsion Systeme GmbH & Co. KG. Drei Millionen Euro haben die Unternehmer in das ehrgeizige Projekt investiert – ohne Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Wissenschaftlich begleitet wurde die dreijährige Arbeit von den Schiffsbauexperten aus Duisburg und der Technischen Universität (TU) in Hamburg-Harburg. Die Umbauleitung des Prototypen führte die Firma NavConsult aus Brunsbüttel auf der Gebr. Friedrich Werft in Kiel durch.

Schiffsdiesel, deren Kräfte über ein Getriebe auf die Welle übertragen werden, gehören bei Torque Marine der Vergangenheit an. Das Start-up-Unternehmen setzt auf das Torque-Antriebssystem, einem ausgefeilten Direktantrieb aus Dieselgeneratoren und elektronischen Umrichtern. Der große Vorteil: Das Zwei-Wellen-Antriebssystem kann im Minimalbetrieb mit einem Dieselgenerator von geringerer Leistung gefahren werden. Um mehr Kraft zu entwickeln, werden die anderen Generatoren bei Bedarf stufenlos zugeschaltet. Dieses Zu- und Abschalten erfolgt ohne die sonst übliche Synchronisation der Generatoren. Zusätzliche Leistung steht in sechs Sekunden zur Verfügung.

Die Ergebnisse der Testfahrten haben die Erwartungen der Fachleute übertroffen. Einen Schiffspropeller mit 20 Umdrehungen pro Minute zu fahren, ist mit herkömmlichen Dieselmotoren nicht möglich. „Das Gesamtkonzept ist schon als Prototyp erstaunlich“, urteilt Dipl.-Ing. Hartmut Dobinsky, der für die Bundesanstalt für Wasserbau tätig war. Schon vor der Präsentation haben Delegationen aus Schweden und Bangladesch Interesse angemeldet.

„Die Effektivität des neuen Antriebs einfach unbezahlbar“, sagt Schramm. Dass die Technik auch für Schlepper geeignet ist, will der Brunsbütteler mit zwei 6,5 Millionen Euro teuren Neubauten unter Beweis stellen. Bei den schwimmenden Kraftprotzen, die zwar ständig unterwegs seien, aber nur stundenweise die volle Leistung bringen müssten, rechne sich die zusätzliche Investition schon nach drei Jahren.

Das neue System erweist sich nicht nur als wirtschaftlich, sondern trägt durch bis zu zwanzig Prozent geringere Treibstoffkosten zum Klimaschutz bei. Und das in einer Zeit, in der die Abgasnormen für Schwefel- und Stickstoffdioxid gerade verschärft wurden. Innerhalb von fünf Sekunden kann der Kapitän den Schiffspropeller zum Stehen bringen. „Es ist eine völlig neue Welt“, so Schramm. „Jede Sekunde, die wir schneller reagieren können, bringt mehr Sicherheit.“ Kapitän Rudi Koopmans, der bis zum Verkauf der „Enok“ an Torque Marine 14 Jahre lang als Eigner mit den alten Dieselmotoren auf Fahrt war und heute als Angestellter auf der Brücke steht, kann das nur bestätigen. „Das Schiff lässt sich viel besser fahren“, sagt der 64-jährige Niederländer. „Die Kraft der Welle ist stufenlos da.“

Mit einem Partner wollen Geschäftsführer Claus-D. Christophel und Hans Helmut Schramm die Torque Marine weltweit marktfähig machen. Ab September planen die Unternehmer ein Bieterverfahren, um einen zusätzlichen Gesellschafter zu gewinnen. „Wir haben in der Forschungs- und Entwicklungsphase das Risikokapital getragen“, sagt Schramm. Kurzfristig erwartet er, dass bis zu 25 neue Arbeitsplätze beim Schiffsdienstleister entstehen. Langfristig habe Torque Marine das Potenzial, einer der führenden Anbieter für dieselelektrische Antriebstechnik weltweit zu werden.

Die Einsatzmöglichkeiten der Antriebstechnik mit High Torque Power Drive (HTP) für Binnenschiffe mit einem Leistungsbedarf von 250 bis 4500 PS seien nahezu unendlich, sagt Christophel. Das modulare System sei auch für alternative Energieträger geeignet. Für Neubauten hat Torque Marine die Pläne für eine neu konzipierte Rumpfform erworben und mit dem Flensburger Ingenieurbüro für Schiffstechnik von Ingo Schlüter weiter entwickelt. Das Beispiel „Enok“ zeigt aber auch, dass alte Schiffe umgerüstet werden können. Der Bund fördert den Umbau von Antrieb und Stromerzeugersystemen finanziell, da die Technik von Torque Marine alle gesetzlichen Forderungen nach Energieeffizienz, Schadstoff-Grenzwerten und Lärmschutzanforderungen erfüllt.

    Torque Marine IPS

    Die „Torque Marine IPS Innovative Propulsion Systeme GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Hamburg ist im Juni 2008 mit dem Ziel gegründet worden, einen dieselelektrischen Schiffsantrieb zu entwickeln. Gesellschafter des Start-up-Unternehmens sind Claus-D. Christophel (Hamburg) und Hans Helmut Schramm (Brunsbüttel). Beide sind seit Jahren in der maritimen Branche tätig: Bis zum Verkauf an die finnische Unternehmensgruppe Wärtsilä im Jahr 2008 war Claus-D. Christophel geschäftsführender Gesellschafter der 1974 von ihm gegründeten CDC Mess- und Regeltechnik GmbH. Hans Helmut Schramm ist seit zwölf Jahren Inhaber und Geschäftsführer der Hans Schramm & Sohn GmbH & Co. KG. Zur Schramm Group gehört unter anderem die Brunsbüttel Ports GmbH als Betreiberin des Elbehafens in Brunsbüttel.